Fahrradunfall
Wie oft gibt es Fahrradunfälle? (Bild: regine schöttl - stock.adobe.com )

Fahrradunfälle: Was die amtliche Statistik verrät

Noch nie waren so viele Fahrräder auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das schlägt sich auch in der Unfallstatistik nieder. 

  • 7 Min.
  • 27/05/2025 - 13:00
  • Hanna von linexo
Auf einen Blick

Wer mit dem Fahrrad fährt, hat ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Denn die Fragilität und fehlende Schutzausrüstung des Zweirads machen es zu einem besonders gefährdeten Verkehrsmittel. Du selbst wirst deshalb auf dem Rad kaum unnötige Risiken eingehen oder Gefahrensituationen provozieren. Radfahrende sind also schon allein aus gesteigertem Bewusstsein für ihre Sicherheit meist vernünftiger und defensiver unterwegs als manch andere im Straßenverkehr. Dennoch ist die Möglichkeit eines Unfalls nie ganz auszuschließen. Hier informieren wir dich über Fahrradunfälle in Deutschland, wie viele es sind, welche Ursachen sie haben und wie du dich für den Fall der Fälle noch besser schützen kannst.

Fahrradunfälle: Das Rad zieht immer den Kürzeren

Fahrräder haben keine Knautschzone. Schon allein wegen ihrer Konstruktion sind sie im Straßenverkehr einigen Risiken ausgesetzt. Nicht umsonst lautet ein typischer Spruch: „Das Auto ist immer der Stärkere“. Man kann genauso sagen: Auch eine Mauer, ein Baum, ein Brückengeländer oder ein Felsen auf einem Mountainbike-Trail können einen Fahrradunfall zu einem ernsthaften Zusammenstoß mit schweren Folgen für die Gesundheit machen – von den Schäden am Fahrrad mal ganz abgesehen. Die derzeit aktuelle Statistik über Fahrradunfälle in Deutschland bezieht sich auf das Jahr 2024. Bei den vom Statistischen Bundesamt (StBA) ermittelten und zusammengefassten Vergleichsdaten sind allerdings die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Verkehrsaufkommen und das individuelle Fahrverhalten in den Jahren zuvor zu berücksichtigen.

Jedes sechste Todesopfer fuhr ein Fahrrad

2024 ereigneten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) 2,5 Millionen Verkehrsunfälle auf Deutschlands Straßen – immerhin ein Prozent weniger als im Vorjahr. Leider starben bei diesen Unfällen 2.780 Menschen. Dennoch zeigt sich so etwas wie ein positiver Trend: Die Zahl der Todesopfer ging gegenüber 2023 um zwei Prozent zurück und sogar um 18,3 Prozent innerhalb der letzten Dekade. Damit liegt sie auf dem drittniedrigsten Stand seit der ersten Unfallstatistik im Jahr 1953.

Schauen wir uns die Zahlen zu den Fahrradunfällen genauer an. Diese zeichnen für 2024 ein düsteres Bild. Nach vorläufigen Ergebnissen starben 441 Radfahrer im deutschen Straßenverkehr. Das sind 33 Verkehrstote weniger als 2023. Im Zehnjahresvergleich der Fahrradunfälle-Statistik zu 2014 stieg ihre Zahl jedoch gegen den allgemeinen Trend um 11,4 Prozent. Daraus ergibt sich die bittere Erkenntnis: Jedes sechste Todesopfer im Verkehr war zum Unfallzeitpunkt auf dem Fahrrad unterwegs. Während die Zahl der getöteten Pkw-Insassen seit 2010 um mehr als ein Drittel zurückging, klettert die Zahl der mit einem Fahrrad umgekommenen Menschen weiter nach oben. Insgesamt wurden 92.882 Fahrradunfälle gemeldet. 2023 waren es noch 94.050. Dieser erfreuliche Rückgang kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Radfahren mit den Jahren immer gefährlicher wird.

Auch die Fahrradunfälle Statistik hat eine Dunkelziffer

Bevor wir nach den Ursachen forschen, warum Fahrradunfälle mit tödlichem Ausgang so übermäßig zugenommen haben, noch ein Wort zu Statistiken. Mit denen ist es bekanntlich so eine Sache. Denn es können nur solche Fahrradunfälle registriert werden, die auch amtlich gemeldet wurden. Jemand muss also die Polizei gerufen haben. Gerade bei Stürzen mit dem Fahrrad ist es aber so, dass viele gar nicht in die offizielle Statistik eingehen, weil der Unfall zu gar keinen oder nur leichten Blessuren und Schäden geführt hat. Das betrifft insbesondere die sogenannten Eigenunfälle, also Karambolagen, bei denen nur die Fahrerin oder der Fahrer des Rades und sonst niemand beteiligt war. Hier besteht der Verdacht, dass womöglich nur ein Prozent aller Eigenunfälle mit dem Fahrrad in der Statistik auftauchen. Eine fast ähnlich hohe Dunkelziffer könnte nach Experten-Einschätzungen auch für geringfügige Fahrradunfälle mit Fußgängern oder Autos angenommen werden. Klar ist aber auch: Die Fahrradunfälle Statistik wird zumindest bei Unfällen mit gravierendem Personenschaden sehr zuverlässig sein. Und um die geht es uns in diesem Beitrag.

Mehr Fahrräder – also auch mehr Fahrradunfälle?

Rund 88,7 Millionen Fahrräder kreuzten nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) 2024 durch Deutschland – so viel wie nie zuvor und rund neun Millionen mehr als noch 2020. Das Pro-Kopf-Aufkommen an Fahrrädern hierzulande hat damit zumindest statistisch die 100-Prozent-Marke übertroffen. Wie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) herausfand, nahm der Anteil von Radfahrenden am Straßenverkehr bereits zwischen 2002 und 2017 um 37 Prozent zu. Seit 2017 wuchs der Radverkehrsanteil nach Berechnungen des ZIV um weitere 11,2 Prozent. Natürlich liegt es nahe, die Zunahme an schweren Fahrradunfällen auf den Zuwachs an Rädern zu schieben: Mehr Biker – mehr Fahrradunfälle in der Statistik. So einfach ist das aber nicht. Gerhard Hillebrand beispielsweise, der ADAC-Verkehrspräsident, lässt sich in den Medien mit dem Statement zitieren, dass Deutschlands Fahrrad-Boom begrüßenswert sei, aber die Radverkehrsinfrastruktur nicht im gleichen Maß mit dem Anstieg des Radverkehrs mitgewachsen ist. Er fordert deshalb fahrradgerechtere Städte. Schließlich passierten die meisten Fahrradunfälle innerorts.

Zwei Radfahrer geben sich in ein der Natur ein High-Five
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Fahrradunfälle, an denen mindestens ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt war (Bild: linexo, Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis); ADFC, 2021 )

Fahrradunfälle: Hauptschuld bei den Autofahrern

Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts von 2021 stellte fest: Von den amtlich erfassten Fahrradunfällen mit Personenschaden waren 28,3 Prozent Unfälle ohne Fremdeinwirkung. In 69 Prozent der Zusammenstöße waren mindestens zwei Verkehrsteilnehmer verwickelt. Mit 71,9 Prozent waren Autos die häufigsten Unfallgegner. 11,3 Prozent der Unfälle passierten mit einem anderen Fahrrad, bei 6,6 Prozent waren Fußgänger beteiligt. Eine Zahl, die aufhorchen lässt: Bei der Hälfte (49,4 Prozent) aller Fahrradunfälle waren die Fahrer selbst für den Crash selbst verantwortlich. Wenn man aber lediglich die Zusammenstöße mit Autos berücksichtigt, trugen Fahrradfahrer nur zu 24,8 Prozent die Schuld am Unfall. Das bedeutet: Der Großteil der Fahrradunfälle wird vom Autoverkehr verursacht. Bei Kollisionen mit Fußgängern liegt die Schuldfrage wiederum mehrheitlich bei den Bikern (56,7 Prozent).

Eigenunfälle passieren zumeist aus technischen Gründen, weil Fahrfehler gemacht oder Hindernisse übersehen werden. Ein häufiges Fehlverhalten der radelnden Zunft ist das Benutzen einer „falschen Straße“. Hier ist die Fehlerquote um 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Weitere häufige Ursachen für Fahrradunfälle sind falsches Abbiegen, Missachten der Vorfahrt und Alkoholgenuss. Ein Anstieg um beachtliche 29,7 Prozent betrifft Unfälle auf dem Fahrrad wegen nicht angepasster Geschwindigkeit. Dabei könnte auch die wachsende Zahl von E-Bikes eine Rolle gespielt haben.

Tödliche Fahrradunfälle wegen schlechter Infrastruktur

Bleiben wir noch bei der Gefahr auf den Verkehrswegen. Laut Erfassungen der Polizei ist jeder dritte Alleinunfall eine Folge mangelnder Infrastruktur. Für 2023 hat der UDV nachgewiesen, dass jeder dritte tödliche Radunfall ohne Einwirkung anderer passiert – und auch die Hälfte aller Fahrradunfälle mit Schwerverletzten. Der Versicherungsverband hat als größten Schwachpunkt die problematische Infrastruktur ausgemacht. Dort wirken sich Mängel aber ebenso auf Fahrradunfälle mit mehreren Beteiligten aus. Viele Deutsche sind in den letzten Jahren vom Auto aufs Rad umgestiegen und pendeln zum Arbeitsplatz. Ein typischer großstädtischer Unfallhergang sieht so aus, dass ein Radfahrender bei Grün eine Ampelkreuzung überquert und von einem unachtsam rechtsabbiegenden LKW erfasst wird. Solche Unfälle führen weitaus eher ins Krankenhaus als ein Sturz auf einem Radweg im Stadtpark. Der UDV fordert daher nichts weniger als die Änderung von Vorfahrtsregelungen. Was die Situation auf unseren Landstraßen betrifft, möchte der Verband wie bereits beim Neubau von Bundesstraßen üblich von der Straße getrennte Radwege. Auch sollten viele Radwege weiter ausgebaut und mit besseren Oberflächen versehen werden.

Die Gefahr eines E-Bike Unfalls für ältere Menschen

Der Bestand an Elektrofahrrädern hat sich nach Angaben des ZIV in den zehn Jahren nach 2014 verachtfacht. 2024 rollten 15,7 Millionen Bikes mit elektrischer Unterstützung auf Deutschlands Straßen und Radwegen. Viele von ihnen werden von älteren Menschen gefahren, die sich die Meisterung eines konventionellen Bikes rein kräftemäßig nicht mehr zutrauen. Mit einem E-Bike sind sie flott unterwegs – und doch gehen gerade ältere Pedelec-Fahrer ein Extra-Risiko ein. Das schwere Bike, die mühelos erreichbare Geschwindigkeit und mögliche Defizite in Motorik und Reaktionsschnelligkeit sind eine gefährliche Mischung. Auch sind betagtere Menschen bei Stürzen besonders verletzungsgefährdet. Hier kannst du mehr zu diesem Thema nachlesen. Ein E-Bike Unfall mit älteren Menschen ist daher das Sorgenkind der Verkehrsexperten. In der aktuellen Destatis Fahrradunfälle-Statistik waren denn auch knapp zwei Drittel (63,5 Prozent) der tödlich verletzten Radfahrenden 65 Jahre oder älter – allein bei Pedelec-Fahrern lag diese schlimme Quote sogar bei 68,8 Prozent. Lebensgefahr auf dem Fahrrad ist also unweigerlich auch an die Altersfrage und die Fähigkeit zur altersgerechten Selbsteinschätzung gekoppelt.

Bei Fahrradunfällen schützt ein Helm!

Wer Fahrrad fährt, sollte im Interesse der Gesundheit das eigene Fahrverhalten überprüften, auf essenzielle Dinge wie Beleuchtung und Bremsen achten und sich – wenn noch nicht geschehen – mit dem Tragen eines verlässlichen Fahrradhelms anfreunden. Wie die Deutsche Verkehrswacht herausgefunden hat, trugen 2020 26 Prozent der Biker einen Helm. Mit Verweis auf eine Studie der Verkehrsministerien von Baden-Württemberg und Thüringen hebt sie hervor, dass durch das Tragen eines Fahrradhelms bei Fahrradunfällen etwa 20 Prozent der leichten Kopfverletzungen und bis zu 80 Prozent der besonders schweren Art vermieden werden können. Diesem Ziel haben sich nicht zuletzt die in den sozialen Medien sehr aktiven #helmfluencer verschrieben – eine Bewegung, die Fahrradfahren nur noch mit Helm fordert und dies mit vielen Postings attraktiv machen will. Überdies bietet unter anderem der ADFC speziell zur Verhinderung eines E-Bike Unfalls Radfahrschulen für Erwachsene in deutschlandweit belegbaren Kursen.

Im Fall des Falles gut versichert

Es muss aber gar nicht zum Äußersten kommen. Die allermeisten Fahrradunfälle gehen einigermaßen glimpflich aus. Neben einer schmerzenden Schürfwunde oder Prellung ist der Schaden am Bike das größte Übel. Ein Rahmenbruch, ein kaputter Motor oder abgerissene Bauteile sind nicht nur ärgerlich – die Instandsetzung bzw. Neuanschaffung geht natürlich ins Geld. Eine Fahrradversicherung kann Unfälle nicht verhindern. Sie gibt aber das gute Gefühl, bei einem Unfallschaden zumindest finanziell alles richtig gemacht zu haben. Hier findest du weitere Informationen von linexo.

FAQ

Die aktuelle Fahrradunfälle-Statistik im Überblick

Welche Zahlen liegen für 2024 vor?

2024 wurden insgesamt 92.882 Fahrradunfälle mit 441 Todesopfern registriert. Jeder sechste tödliche Verkehrsunfall in Deutschland betrifft Menschen auf einem Fahrrad.

Gibt es einen statistischen Trend?

Während die Zahl der Fahrradunfälle leicht zurückging, nahm die Zahl der tödlichen Kollisionen im Verlauf der letzten zehn Jahre zu.

Was sind die häufigsten Ursachen für Fahrradunfälle?

Verkehrsexperten und Versicherungen kritisieren die mangelhafte Fahrrad-Infrastruktur. Die hohe Zahl der bei Fahrradunfällen getöteten und verletzten Senioren ist ein Hinweis, dass speziell das Fahren eines E-Bikes im Alter Risiken birgt.
 

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